Doors Open    (Vorwort, Teil 2)

Ran an die Recherche. Telefon, persönliche Gespräche, Konzerte, Internet, Stadthistorische Bibliothek, Zeitungen, Zeitschriften. Es tauchte eine unglaubliche Zahl von Gruppen auf. Welche beschreiben, welche abhaken? Es sollten Bands sein, die aus Bonn stammten oder einen unmittelbaren Bezug zu Bonn hatten. Sie sollten Einfluss haben oder gehabt haben auf die Szene. Kriterien wie produzierte LPs oder CDs - das war unzulässig: Wer konnte denn schon in den 60ern oder 70ern mal eben eine Schallplatte aufnehmen wie heute CDs? Garagen- oder Kellerbands fielen raus. Und doch: Eindeutige Kriterien waren nicht zu fixieren. Die Grenzen sind weich, Qualitätsansprüche in der Musik sind nicht messbar.

Und so entschuldige ich mich schon jetzt bei denen, die ich nicht in das Buch aufgenommen habe. Denn trotz zweijähriger Bemühungen konnte ich nicht alle Bands und Personen ausfindig machen. Oder ich habe einige vielleicht nicht genügend gewürdigt.

An einem Abend, im Zug von Köln nach Bonn, traf ich Sami und erzählte ihm von meinem Projekt. "Wie siehst du die Bonner Szene im Vergleich zu Köln?", fragte er. Ehrlich gesagt: Herausragende, deutschlandweit bekannte Gruppen wie die Bläck Fööss, BAP oder Höhner fehlen in Bonn. Aber neben der erstaunlich hohen Vielfalt, Qualität und Breite zählen aktuelle Bands wie Mayqueen und Still Collins und früher wie Satin Whale zur Upper Class in Deutschland. Nicht zu vergessen einzelne Musiker wie Rocco Klein, der als Gitarrist lange Klaus Lage begleitete und "Tausend und eine Nacht" zu einem Hit machte. Wie die Gitarristen Harry Alfter (Brings), Carol Knauber oder Martin Behr, Bassisten wie Rolf Sander, der nicht nur Heino bei Tourneen unterstützt, sondern bundesweit als Studiomusiker gefragt ist. Wie gesagt: nur Beispiele. Bonn bietet viel.

Zu den wichtigen Figuren zählen natürlich auch Manager und Veranstalter, in diesem speziellen Fall auch der Verein Bonner Rockmusiker (VBR) und die R(h)einkultur. Auch über sie will ich berichten. Ein Veranstalter wie Ernest Hartz beispielsweise wurde weit über Bonn hinaus bekannt - mit Weltstars wie Genesis oder Tina Turner. Und Auftrittsorte wie die Harmonie mit ihren WDR-Rocknächten sollten auch nicht vergessen werden.

Eine Menge Arbeit lag vor mir.

Ludwig war skeptisch. "Stell einfach alles, was du zusammenträgst, auf eine Internet-Seite. Mach dir doch nicht die Mühe und Kosten mit einem Buch." Ich glaube aber - immer noch - an die besondere Aura des Buches. Lesen, wo immer man will. Im Bus, in der Bahn, im Bett. Beim Frühstück. Alles ist schnell zu finden. Ein Buch kann man lieben, das Internet nutzt man. Deshalb also dieses Druckwerk. Über die ersten Beat-Bands, später Rock- und Pop-Bands, über all ihre Protagonisten, über die Leute, die dahinter standen und stehen.

Wer fühlen will, muss hören. Wer nicht vergessen will, sollte lesen.

Viel Spaß dabei.



Bonn, im Sommer 2005
Rope Schmitz

© 2005 by Rope Schmitz
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