Doors Open    (Vorwort, Teil 1)

Ein Abend im Frühsommer 2003, weitab von Bonn. Auf der Terrasse der Tortuga- Bar an der pittoresken Bucht von Tossa de Mar im mediterranen Süden. Kurze Wellen schlagen gegen die Felsen, der Geruch von gegrilltem Fisch und Knoblauch in der warmen Luft, ein Glas mit viel Bacardi und wenig Cola vor mir und ringsum Stimmengewirr von Spaniern, Deutschen, Holländern, Engländern, Dänen. Ich blicke aufs Meer, meine Gedanken fliegen nach Bonn - und ich habe eine Idee. In dem Geschäft bin ich lange, weiß eine Menge, kenne viele Leute. Ich habe die Lust, diese Idee zu realisieren. Und frage mich an Spaniens Küste: Warum hat das bisher keiner gemacht?

Ein Buch über Bonner Bands. Das hat es noch nicht gegeben. Ein Buch über die, die heute aktuell sind? Die sind fast alle im Internet zu finden, mühsam zwar, aber immerhin. Oder auch ein Buch über frühere Bands?

Ein Abend im Sommer, wenige Monate später. Poppelsdorfer Meile, auf der Terrasse einer der vielen Kneipen, der Verkehr braust vorbei, ein Pils vor mir und neben mir alte Musikerkollegen. Graue Haare, junge Köpfe. "Warum nur über die aktuellen Bands? Was wir damals erlebt und gemacht haben, warum willst du das nicht auch aufschreiben?"

"Will doch keiner mehr wissen."

"Was? Wir haben doch den Anfang gemacht, alle bauen auf uns auf! Und wir haben immer noch Fans. Ohne uns - was wäre heute die Bonner Rockmusik?"

Manni und Thomas versuchten, mich zu überzeugen. Mir fielen die Jungs ein, die vor 30 Jahren neben mir die Hits der Beach Boys sangen. Ich kramte in meinen Erinnerungen nach den anderen Bands der "wilden 70er" - sollte man die alle vergessen? Mir kamen die Guards in den Sinn: Alfred hatte ich im Pub kennen gelernt und Uli auch. Jahre später hörte ich, dass Walter auch dabei gewesen war, obwohl ich mir den kaum in der Rock-Szene vorstellen konnte - bis vor kurzem war er Vorsitzender des Vereins Jazzin´ Bonn. Es gab so viele Bands, so viele Geschichten, es gibt so viel zu erzählen. Satin Whale in den 70ern - da leuchten heute noch bei manchem die Augen. Seit 1972, also schon 33 Jahre on stage: die Sunny Skies. Und Mayqueen oder Still Collins, die mittlerweile europaweit zu den Besten ihres Genres gehören. Ein großer Bogen. Alles klar: Es sollte ein Buch werden über die Bonner Beat-, Pop- und Rock-Musik. Von den Anfängen bis heute.

Eine vage Ahnung hatte ich, wie schwierig es werden würde: nicht nur über aktuelle Bands, sondern auch über die Anfänge der Pop-Musik in der früheren Bundeshauptstadt zu schreiben. Viele Musiker waren irgendwohin verschwunden, einige schon gestorben. Manche Erinnerung touchiert die Wahrheit nur noch wenig.

Ernest meinte gar, ich solle mich nicht auf den Rock- und Pop-Bereich beschränken, auch über die ganze Musikszene berichten. Und nicht nur Bonn, sondern die ganze Region einbeziehen. Semmel´s Hot Shots, Dr. Jazz Ambulanz, Gregor mit seinen Gala- Bands, Dryade aus Hennef und all die vielen Gruppen rund um die Bundesstadt? Dieses Mammut-Vorhaben hätte meine Kraft, meine Zeit und mein Budget überfordert. Also doch nur Bonn.

© 2005 by Rope Schmitz
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